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IOC verkaufte T-Shirt mit "Hitlergruß"-Motiv
Olympia 1936 unter der Hakenkreuzflagge – das wohl schwärzeste Kapitel deutscher Sportgeschichte. Dass das IOC noch bis vor kurzem ein Motiv aus eben dieser Zeit über den offiziellen Olympia-Onlineshop vertrieb, brachte der Organisation diese Woche viel Kritik ein. Nur: die zahlreichen Presseberichte besprechen ein Motiv der Sommerspiele 1936. Verkauft wurde allerdings auch ein Motiv aus den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen – mit noch problematischerem Inhalt. Zu sehen ist ein Sportler, der den Arm zum sogenannten Hitlergruß hebt. Auf espresso-Nachfrage bezieht das IOC Stellung.
Bereits am 23. Januar wunderte sich der Verfasser dieser Zeilen über das ungewöhnliche Motiv aus den Olympischen Winterspielen 1936 im Olympia-Onlineshop. „IOC blamiert sich mit T-Shirt zu Olympia 1936“ titelte diese Woche dann der Tagesspiegel in einem Kommentar. Zahlreiche weitere Schlagzeilen folgten. Im Rahmen der „Heritage Collection“ des IOC werden frühere Plakatmotive auf T-Shirts gedruckt und verkauft.
Die bisherigen Medienberichte besprechen allerdings ein Motiv aus den Sommerspielen 1936 in Berlin. Auf dem Shirt ist neben den obligatorischen olympischen Ringen eine männliche Figur mit Lorbeerkranz über der Quadriga des Brandenburger Tors zu sehen. Das Shirt, das espresso im Januar auffiel, stammt hingegen von den Winterspielen 1936 – und beinhaltet eine noch problematischere Darstellung.
Motiv eines bekannten Grafikers der NS-Zeit als Vorlage
Auf dem Shirt aus den Winterspielen ist ein Skifahrer mit roter Haube zu sehen, der den Arm zum sogenannten Hitlergruß hebt, ein Teil des Armes ist dabei abgeschnitten. Genau dieses Motiv brachte dem IOC schon einmal Kritik ein. Bereits Ende 2021 präsentierte das IOC das Plakatmotiv des NS-Grafikers Ludwig Hohlwein in Sozialen Medien und fragte, ohne Einordnung: „Gefällt es Euch?“ Das IOC lobte laut Bericht der Süddeutschen Zeitung die „asymmetrischen Linien“ und den „ausgeprägten Farbkontrast“. Dass das Motiv historisch belastet ist, kam nicht zur Sprache. Ludwig Hohlwein prägte als Plakatkünstler in der Zeit des Nationalsozialismus das Erscheinungsbild des Dritten Reiches. Hitler, Goebbels, Göring, sie alle kauften seine Werke. 1944 wurde er in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste des Propagandaministeriums aufgenommen.
Dass die Nazis die Olympischen Spiele für ihre Propaganda missbrauchten, ist kein Geheimnis. Ob das IOC ausgerechnet Shirts mit Motiven aus dieser Zeit verkaufen muss? Diese Frage beantworteten diese Woche viele Menschen mit einem klaren Nein.
So rechtfertigt sich das IOC
Auf Anfrage schickt das IOC eine Stellungnahme. Aus dieser geht hervor, dass die Organisation in einer Art Zwickmühle steckt. „Das IOC schützt das geistige Eigentum der Olympischen Spiele vor Missbrauch“, heißt es in der Erklärung. Das gelingt aber nur, wenn man Markenrechte auch tatsächlich aktiv nutzt. „Andernfalls könnten sie von Dritten für andere Zwecke verwendet werden.“ Sprich: Sie könnten von Rechtsextremen politisch instrumentalisiert werden. Fragwürdig natürlich, aus welchem politischen Spektrum die Käufer der Shirts aus dem offiziellen Olympia-Shop waren. Zwar gab es 1936 auch noch den vom „Hitlergruß“ nicht zu unterscheidenden „Olympischen Gruß“, im zeitlichen Kontext betrachtet, dürfte eine Einordnung allerdings nicht allzu schwer fallen. Die T-Shirts sind mittlerweile ausverkauft, die Stückzahl war laut IOC-Auskunft begrenzt.
Klara Schedlich, Sprecherin für Sportpolitik der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, kritisiert u.a., dass im Online-Shop zumindest eine Einordnung fehlt. Die Kritik der fehlenden Einordnung nimmt das IOC an, wie man espresso gegenüber telefonisch erklärt.
Natürlich erkennt das IOC „selbstverständlich die historische Problematik der ‚NS-Propaganda‘ im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin“ an, wie es in der schriftlichen Stellungnahme heißt, aber man dürfe nicht vergessen, „dass in Berlin 4.483 Athleten aus 49 Ländern in 149 Wettbewerben um Medaillen kämpften. Viele von ihnen, darunter auch Jesse Owens, verblüfften die Welt mit ihren sportlichen Leistungen. Der historische Kontext dieser Spiele wird im Olympischen Museum in Lausanne näher erläutert.“
Susanne Siegert, die auf ihrem Instagram-Kanal @keine.erinnerungskultur über die Verbrechen der Nazi-Zeit aufklärt, meldete sich gestern ebenfalls zu Wort und schlug Jesse Owens als neues Motiv für ein Shirt zu den Olympischen Spielen 1936 vor.

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