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Von allen guten Geistern nicht verlassen.
Wie der Ingolstädter Industriedesigner Adrian Retzer den Masken des Stadttheaters Seele gab
In ganz Ingolstadt blicken sie von den Plakatwänden: Gesichter – bunt, schillernd, teils grotesk, die auf die Spielzeit 2025/26 des Stadttheaters Ingolstadt aufmerksam machen wollen. Manch einer hat sich vielleicht schon gefragt, was es damit auf sich hat. Erschaffen wurden die Wesen vom Designstudio eps51 mit Unterstützung von KI – perfekt in Pixeln – aber nicht greifbar. Jeder Produktion wurde ein Gesicht zugeordnet – mal lustig, mal traurig, mal phantasievoll, mal schlicht. KI-Charaktere so bunt wie die Menschen auf der Straße.
VON STEFANIE HERKER
„Jeder findet hier ein Gesicht, das er gut findet“, meint Künstler Adrian Retzer. Er ist Ausstattungsassistent im Jungen Theater und hatte die Idee, dem, was digital gedacht war, Form zu geben. „Wenn man sie so auf den Plakaten sieht, möchte man sie förmlich berühren – das flauschige Plüsch streicheln, über die glatte, glänzende Oberfläche fahren und spüren, ob sie so kühl ist, wie sie wirkt“, erklärt der 34-jährige Ingolstädter, dessen Leidenschaft sich zwischen Musik, Design und Kunst bewegt. Er näht seit Jahren Accessoires, Masken, Kostüme – hauptsächlich für sich selbst, aber auch vereinzelt für Schauspieler:innen wie Olivia Wendt und Benjamin Dami vom Stadttheater.
Zuerst waren es nur zwei der KI-Geister, die er zum Leben erweckte. Ein Versuch, ein kreatives Spiel. Aus Papier, Kleister und Leim formte er in Handarbeit Stück für Stück nach, was er auf dem Bildschirm sah. Er trug Schicht um Schicht Farbe auf, fügte Glanzlack hinzu. Was für eine KI theoretisch in dem Bruchteil einer Sekunde aus Pixeln machbar ist, war für Adrian tagelange Handarbeit. Es entstanden Gesichter, „Schutzgeister des Theaters“ nennt Adrian sie, kaum zu unterscheiden von der KI-Version, nur diesmal fühlbar, erlebbar. Als Intendant Oliver Brunner die Masken sah, war er sofort begeistert: „Mach mehr davon“, sagte er. Und Adrian machte weiter.
„Sie sind nicht immer das 1:1-Abbild der KI-Version. Und manchmal hab ich mir auch einfach eine eigene Version meiner guten Geister erlaubt“, gesteht er. Er ist ein Mensch, der in Bewegung denkt. Spontan, begeisterungsfähig, getrieben von Neugier. Inspiriert von Schaufenstern in Metropolen, von Fashionshows, von Musik. „Beim Joggen mit Musik kommen die besten Ideen. Da sprudelt es einfach.“ Seine Muse: Róisín Murphy – wild, exzentrisch, furchtlos. Und doch ist Adrian kein Träumer ohne Zweifel. „Ich bin meistens unzufrieden“, lacht er. Eigene Kreationen und die damit verbundene Perfektion meint er. „Aber die Masken sind gut geworden. Da bin ich zufrieden.“ Er erinnert sich an die schlaflosen Nächte, in denen er überlegte, ob die Masken passen, ob sie halten und den Träger während der Show atmen lassen. Er weiß, dass tragbare Kunst nicht nur schön, sondern funktional sein muss – ein Wissen aus seiner Zeit als Industriedesigner.
Heute näht er Kostüme, entwirft Formen, schafft Welten – und bald, beim Stück „Verrücktes Blut“, wird er erstmals die Bühnenoutfits gestalten. Ein Traum, der sich langsam in Stoff verwandelt. „Ich liebe meine Arbeit und ich finde die Menschen am Stadttheater ganz toll!“, sagt Adrian. Und man spürt es. Vielleicht braucht es in dieser Zeit genau solche Menschen wie ihn: Die zwischen den Pixeln den Pulsschlag suchen. Die das Digitale nicht verdammen, sondern verwandeln. Die uns erinnern, dass Berührung kein Relikt ist – sondern ein Bedürfnis.
Adrians Masken erzählen von genau diesem Wunsch nach Nähe und Gefühl. Nach etwas, das man anfassen kann. Zwischen Kleister und Klang, zwischen Daten und Daumenabdruck entsteht Kunst des Wieder-Fühlens. Ein Aufruf, das Menschliche nicht zu vergessen – selbst in einer Welt, die immer digitaler wird.

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