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Mit Neustart-Feeling in die Rückrunde
FCI-Keeper Kai Eisele will mit guter Performance und konstanter Leistung punkten
Mit viel Dritt- und sogar Zweitligaerfahrung im Gepäck kam der gebürtige Friesenheimer Kai Eisele zu Beginn der Saison zum FC Ingolstadt. Der 30-Jährige Keeper hütet seit der Verletzung seines Kollegen Markus Ponath das Tor der Schanzer und will in der restlichen Saison ein starker Rückhalt für seine Mannschaft sein. Im espresso-Interview spricht er über die Konkurrenzsituation auf der Torwart-Position, berufliche Selbstständigkeit, seinen Podcast und Selfcare.
Gerade hat die Rückrunde der 3. Liga begonnen, der Start ist mit einem 3:0 gegen Regensburg – dem ersten Sieg seit knapp 13 Jahren gegen die Oberpfälzer – und dem 2:1 gegen den VfB Stuttgart II optimal gelaufen. Wie wichtig war dieser positive Auftakt für euch?
Ein gelungener Einstieg in die Rückrunde kann ein Neustartfeeling vermitteln, deshalb war mir persönlich das erste Spiel sehr wichtig. Genau so habe ich das auch in die Mannschaft getragen. Man hat gesehen, dass das Spiel für das gesamte Team eine enorme Bedeutung hatte, die wir auf dem Platz letztlich in Leistung ummünzen konnten. Auch wenn ich die Statistik gar nicht kannte, war es ein guter Zeitpunkt, diesen Fluch zu knacken. Gegen Stuttgart hatten wir im ersten Durchgang gute Chancen und sind durch ein Standardtor in Führung gegangen. Leider haben wir es nicht geschafft, die Null zu halten und im Gegenzug den Ausgleich kassiert, was sehr bitter ist. Nach dem Seitenwechsel sind wir gut aus der Kabine gekommen, waren etwas griffiger als in der ersten Halbzeit und haben das 2:1 gemacht. Anschließend haben wir es jedoch verpasst, nachzulegen und das Spiel zuzumachen. Stuttgart hatte dann einige Ballbesitzphasen, die wir gut ausgehalten und nichts Zwingendes zugelassen haben. Mit den Testspielen haben wir alle vier Partien in diesem Jahr gewonnen. Das gibt uns Selbstvertrauen für die nächsten Begegnungen. Deshalb sind wir auch optimistisch, dass wir in Rostock punkten werden.
Damit steht ihr aktuell mit 28 Punkten auf dem 13. Tabellenplatz. Wie siehst du persönlich die Hinrunde und was habt ihr euch für die Rückrunde vorgenommen?
Der einzige Zeitpunkt, an dem die Tabelle etwas zählt, ist der letzte Spieltag – deshalb tangiert mich der aktuelle Platz derzeit noch nicht so sehr. Ich würde die Hinrunde als Auf und Ab bezeichnen, da wir es nicht geschafft haben, Konstanz in unsere Leistung zu bringen. Wenn wir aber eine starke Phase hatten, konnten wir durchaus aufzeigen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Für die Rückrunde ist es unsere Aufgabe, diese gute Performance häufiger und konstanter auf den Platz zu bringen. Dann haben wir sehr gute Chancen, viele Spiele erfolgreich zu gestalten.
Am Wochenende reist ihr zu Hansa Rostock, danach empfangt ihr Energie Cottbus, derzeit Tabellenfünfter bzw. -zweiter. Werden die beiden Partien bereits wegweisend, wohin die Reise der Schanzer in der Rückrunde geht?
Das könnte man durchaus so sehen, muss aber auch beachten, dass die 3. Liga einfach eine Ekel-Liga ist. Das meine ich gar nicht despektierlich, es kann einfach jeder jeden schlagen. Wer versucht, diese Ergebnisse zu tippen – viel Glück (lacht).
Deshalb schaue ich eher von Spiel zu Spiel und kümmere mich weniger darum, gegen wen wir in zwei oder drei Wochen spielen. Mein Fokus liegt immer auf dem Gegner des jeweiligen Wochenendes. Das ist diesmal Hansa Rostock – über die anderen denke ich noch nicht nach.
Für dich persönlich ging die Liga ja erst mit dem 9. Spieltag so richtig los, als sich Markus Ponath eine Fraktur des Mittelhandknochens zugezogen hat und du die Keeperposition übernommen hast. Wie war es für dich, „nur“ durch eine Verletzung deines Konkurrenten zur Nummer eins zu werden?
Natürlich bin ich vor der Saison mit einem anderen Anspruch und einem anderen Ziel nach Ingolstadt gekommen. Ich wollte niemanden vertreten, sondern spielen und die Nummer eins im Tor sein. Es wurde aber von vornherein so kommuniziert, dass es einen offenen Konkurrenzkampf gibt und auch das war ein Grund für mich, zum FCI zu wechseln. Natürlich ist es dann gerade auf der Position als Torwart unglücklich, sich zu verletzen. Ich denke aber, dass sich solche Situationen im Laufe einer Torhüterkarriere immer wieder ausgleichen, jeder verletzt sich mal oder bekommt einen Konkurrenten vor die Nase gesetzt – das gehört leider dazu. Deshalb wünsche ich Poni gute Besserung und eine schnelle Genesung, denn die Gesundheit ist nicht nur im Leben, sondern vor allem im Leistungssport unser höchstes Gut.
Du konntest dich zu Beginn der Saison trotz Dritt- und sogar Zweitligaerfahrung nicht gegen den Youngster Markus Ponath durchsetzen. Wie hast du damals auf die Entscheidung reagiert, nicht der Stammtorwart zu sein?
Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass eine Saison sehr lange und es daher nicht zwingend entscheidend ist, wer zum Ligaauftakt die Nummer eins ist, sondern wer über die gesamte Spielzeit seine Leistung am besten abruft bzw. performt. Ich war während der Vorbereitung zehn Tage krank und Markus Ponath hat seine Sache, gerade in Anbetracht seines jungen Alters, sehr gut gemacht und war ein super Rückhalt für das Team. Auf der Torwartposition kann immer nur einer spielen – und das war dann eben Poni. Generell finde ich es aber wichtig, dass es nicht nur einen guten Torwart im Kader gibt – unsere Keepergruppe mit Poni, David Klein, Rafael Eßlinger und mir ist sehr gut und sehr homogen. Trotzdem ist es mein klarer Anspruch und mein klares Ziel, jedes Wochenende zu spielen. Ich möchte aber gar keine großen Töne spucken, sondern viel lieber entsprechende Leistung zeigen sowie auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen.
Kann deine langjährige Erfahrung für die Schanzer in der Rückrunde jetzt ein Pluspunkt sein?
Gerade auf der Torwartposition ist es von Vorteil, bei verschiedenen Spiel- oder auch Drucksituationen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können. Man kann der Mannschaft dadurch etwas zurückgeben und strahlt Ruhe und Sicherheit aus – und genau das ist meine Aufgabe. Die Verantwortung geht aber noch weiter: Ich möchte auch außerhalb des Platzes vorangehen und junge Spieler unterstützen. Das Trainerteam gibt mit der Mannschaft eine gewisse Richtung vor und ich sehe es auch als Aufgabe der erfahreneren Spieler, dafür zu sorgen, dass dabei jeder mitzieht.
Du bist nach Stationen in Rostock, Halle, Düsseldorf, Karlsruhe und Unterhaching nun in Ingolstadt gelandet – wo hat es dir, sowohl sportlich als auch privat, am besten gefallen und warum?
Das ist schwer zu sagen, ich versuche, aus jeder Station etwas Positives mitzunehmen. Ich hatte schon in der Jugend beim SC Freiburg eine super Möglichkeit, mich zu entwickeln. In Rostock habe ich dann erstmals meine Komfortzone verlassen und dort eine andere Mentalität kennengelernt. Mit Halle verbinde ich eine tolle Zeit, die für mich auch sehr erfolgreich war. Düsseldorf ist nicht nur eine schöne Stadt, ich habe dort auch sehr viele nette Leute kennengelernt. In Karlsruhe habe ich im sportlichen Bereich mein erstes Zweitligaspiel bestritten und neue Freunde gefunden – auch über den Fußball hinaus. Auch bei meiner letzten Station in Unterhaching habe ich viel gelernt und München ist zu einer meiner Lieblingsstädte geworden. Generell braucht man meiner Meinung nach ungefähr ein Jahr, bis man an einem Ort angekommen ist und weiß, wo Friseur, Tankstelle, Einkaufsmöglichkeiten, Kino & Co. sind und sie ohne Navi findet (lacht). Man lernt neue Menschen kennen, versteht sich mit den Mannschaftskollegen – all das trägt dazu bei, dass man sich in einer Stadt wohlfühlt. An diesem Punkt bin ich in Ingolstadt gerade.
Neben dem Fußball bist du selbstständig im Immobilienbereich tätig: Was genau machst du und könntest du dir diesen Job auch nach deiner aktiven Karriere vorstellen?
Ich komme aus Friesenheim, das in der Nähe des Europa-Parks liegt. Dort bin ich neben Miet- auch mit Ferienwohnungen gewerblich tätig. Wir haben Mitarbeiter vor Ort, so dass ich mich remote um die Vermietung, Pricing, Softwaretools und alle sonstigen Problemchen oder Sonderwünsche kümmern kann. Mir gefällt das ortsunabhängige Arbeiten und es macht mir Spaß, Gäste aus der ganzen Welt willkommen zu heißen, denn neben dem Freizeitpark liegen wir ja auch zwischen Schwarzwald und Rheinebene. Mein Vater hat früher immer gesagt, wir hätten in unserer Region viel Lebensqualität – mit diesem Spruch konnte ich damals nichts anfangen. Doch nachdem ich durch meine fußballerischen Stationen in Deutschland ein bisschen herumgekommen bin, hat es „klick“ gemacht und ich habe verstanden, was er meint. Mit dem Schwarzwald im Rücken und dem Blick auf die Vogesen und nach Frankreich, dazu das schöne Wetter – da macht es einfach Spaß, Gäste zu beherbergen.
Du warst als Podcaster für den „Sports Innovators Talk“ aktiv – was steckt dahinter?
Der „Sports Innovators Club“ und der dazugehörige Podcast bringen Menschen aus Sport und Unternehmertum zusammen. Man plaudert mit Leuten, die aus der Sport-Bubble kommen oder beide Themen vereinbaren – wie etwa Timo Hildebrand, der Profisportler und Nationaltorwart war, nun Unternehmer ist und somit beide Welten vereint. Er hat erzählt, welche Dinge er vom Hochleistungssport in ein Unternehmen einbringen kann oder was Firmenchefs von Sportlern lernen können. Diese Schnittmenge und auch unsere Gäste waren extrem interessant. Das Mindset von Ikonen wie Timo Hildebrand, aber auch von anderen Athleten, etwa Ruderern, Triathleten oder Rennfahrern, kennenzulernen, war äußerst spannend und hat mich sehr inspiriert. Das Ganze ist allerdings auch sehr zeitintensiv, deshalb ist es wegen des Fußballs, der für mich immer an erster Stelle steht, der Immobilien und der täglich zu erledigenden Dinge derzeit auf Eis gelegt. Aber mir hat der Podcast und das damit verbundene Netzwerken immer Spaß gemacht, deshalb kann ich mir gut vorstellen, das irgendwann wieder aufzugreifen.
Im November hast du das Buch „Outlive – Anleitung für ein längeres und besseres Leben“ gepostet: Hast du es inzwischen gelesen?
Nein, leider nicht – obwohl ich mich seit einigen Monaten intensiv mit dem Thema Longevity beschäftige, denn für uns als Profisportler ist der Körper unser Kapital und die Gesundheit sehr wichtig. Ich kaufe mir immer sehr viele Bücher und rede mir ein, mich auf eines zu fokussieren und zu Ende zu lesen – aber das klappt nicht wirklich. Ich habe in meiner Wohnung verschiedene Orte wie Schlafzimmer, Couch oder Toilette, an denen diverse Bücher liegen, die ich dann dort lese. Im Urlaub verschlinge ich die Bücher, aber im Alltag fällt es mir doch schwer, mir bewusst Zeit fürs Lesen zu nehmen, da man häufig abgelenkt wird. Da muss ich mich noch besser in der Ruhe üben – was übrigens auch einer meiner Neujahrsvorsätze ist (lacht).
Welche Rolle spielt für dich die Ernährung?
Meistens versuche ich, auf tierische Produkte zu verzichten, esse aber auch mal Fleisch, Eier oder Käse. Süßigkeiten und Zucker lasse ich weitestgehend weg. Grundsätzlich lebe ich nach dem Motto: Verbote sind verboten. Ich esse, worauf ich Lust habe – und meistens ist das auch was Gesundes. Die Luft, die du atmest, was du isst, was du trinkst oder was du denkst – alles hat Einfluss auf unseren Körper, dessen sollte man sich schon bewusst sein. Aber natürlich esse ich auch mal einen Döner (lacht).
Auf LinkedIn hast du Beiträge über Fremdbestimmung und geringe Freizeit im Fußball gepostet – was war der Hintergrund dazu?
Ich hatte früher immer betont, dass ich mir niemals ein typisches Angestelltenverhältnis vorstellen könnte, sondern immer die berufliche Selbstständigkeit das Ziel ist. Bis mir ein Gesprächspartner vor Augen führte, dass wir als Fußballer noch gebundener als Angestellte sind. Wenn die Trainingszeiten kurzfristig geändert werden, stehst du natürlich trotzdem auf der Matte, im Urlaub wird der Trainingsplan mit Pulsuhr und Livestandort getrackt. Mir wurde klar – er hat recht (lacht). Irgendwie hatte ich darüber noch nie nachgedacht. Zudem herrscht in vielen Köpfen die Vorstellung, Fußballer absolvieren ihr Spiel am Wochenende und haben ansonsten unheimlich viel Freizeit – das stimmt aber nicht. Für mich bedeutet Profi zu sein keinen Nine-to-Five-, sondern einen 24/7-Job zu haben. Regeneration, Schlaf, Ernährung – das gehört für mich alles dazu. Gerade angesichts unserer endlichen Karriere ist es mein Anspruch, das Maximale herauszuholen.
Zurück zum FCI: Welche Ziele möchtest du persönlich und mit den Schanzern in der Saison erreichen?
Mit der Mannschaft möchte ich definitiv eine bessere Rückserie als Hinrunde spielen! Persönlich möchte ich meine Leistung Wochenende für Wochenende abrufen und mit dem Team so wenig Tore wie möglich zulassen. Mein Drittligarekord in Halle war, in einer Saison 18 Mal zu Null zu spielen. In Ingolstadt sind es aktuell zwei weiße Westen, das zu toppen wird also schwer (lacht). Ich möchte einfach mein Bestes geben und die Mannschaft so gut wie möglich unterstützen.

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