Schanzer Styles & Storys

Maskenpflicht: Sali und Patrick Sussek halten sich selbstverständlich an die Regeln | Fotos und Text: Sabine Kaczynski

Interview mit Patrick Sussek

Nach der Corona-bedingten Schließung hat Sali’s Barbershop in Lenting endlich wieder geöffnet

Natürlich gehörten zu den ersten Kunden auch die Profis vom FC Ingolstadt 04. Die Jungs stehen nach der unfreiwilligen Pause zum ersten Mal seit langem wieder gemeinsam auf dem Platz – die Wiederaufnahme der 3. Liga hat begonnen. Der Schanzer Youngster Patrick Sussek nahm sich unmittelbar vor der angeordneten Hotel-Quarantäne noch Zeit für ein ausführliches espresso-Interview, in dem er von seiner überstandenen Verletzung, dem Lockdown und der Vorfreude auf die ersten (Geister-)spiele erzählt, aber auch ganz persönliche Dinge verrät.

Seit dem Vatertag dürft ihr endlich wieder als komplette Mannschaft trainieren – wie hat es sich angefühlt?

Es macht riesig Spaß, mit dem Team wieder große Spielformen zu üben, voll einzusteigen und das ‚richtige‘ Fußballgefühl zu erleben.

Es kam mir trotz der langen Zeit überhaupt nicht komisch vor, auch in den Zweikämpfen hat es gleich wieder gerumst – das war richtig schön!

Wie wird der Rest der Saison für euch als Spieler aussehen?
Vor dem ersten Spiel müssen wir in die Quarantäne – das ist eine Situation, die wir alle bislang nicht kannten. Es ist ein bisschen wie ein Trainingslager zuhause, nur dass wir nicht rausdürfen und nur Kontakt mit den Teamkollegen haben. Ich finde es aber gar nicht so schlimm, weil das ja für jeden gilt. Die Spiele werden wie in der Premier-League oder bei Top-Clubs in englischen Wochen ausgetragen. Auch in dieser Zeit werden wir uns weitestgehend von der Außenwelt abschotten.

Es wird ausschließlich Geisterspiele geben – wie siehst du das?
Grundsätzlich ist das nicht cool, aber es ist der richtige Weg, um die Saison zu Ende bringen zu können. Bei anderen Sportarten darf gar nicht mehr gespielt werden, deshalb müssen wir diese Entscheidung schätzen und das Beste draus machen.

Schwächt euch der fehlende Fansupport als Team oder könnt ihr das ganz gut wegstecken?
Das ist schwer zu beurteilen, aber ich denke, dass sich Vereine mit einem großen Stadion und einer starken Fanszene noch schwerer tun als wir im beschaulichen Ingolstadt. Für uns wird es kein so großer Nachteil sein.

Wie ist das bei dir persönlich?
Ich liebe es, vor Fans zu spielen. Schon als kleiner Junge träumt man immer davon, vor einem ausverkauften Stadion zu agieren.

Eine meiner schönsten Partien war deshalb auch das DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg – das war eine unvergessliche Atmosphäre.

espresso-Reporterin Sabine Kaczynski mit Patrick Sussek und Sali

Wie siehst du generell eure Chancen? Worauf wird es jetzt ankommen?
Es wird wichtig sein, dass wir als Team auftreten. Meiner Meinung nach kommt es nicht so sehr auf die taktische Einstellung an oder wer zuhause oder auswärts antritt, sondern auf den größeren Siegeswillen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit unserem starken Teamspirit positive Ergebnisse erzielen können.

Ist die enge Spieltaktung mit den englischen Wochen eher Vor- oder Nachteil für euch?
Wir haben sehr gut und enorm hart gearbeitet – ich bin daher überzeugt, dass wir in dieser Hinsicht gegenüber den anderen Vereinen im Vorteil sind.

In den ersten drei Spielen müsst ihr gegen den FC Bayern München II (7.), SpVgg Unterhaching (3.) und Großaspach (19.) antreten – was erwartest du?
Die Partie gegen Bayern München II wird äußerst spannend. Sie haben viele junge, talentierte Spieler und sind eine fußballerisch sehr gute Mannschaft. Wir werden unsere bekannten Stärken konsequent dagegensetzen müssen. Gegen Unterhaching erwarte ich ein typisches Derby und bin sehr heiß darauf, gegen sie zu spielen. Großaspach ist nur auf dem Papier ein schwächerer Gegner, denn in dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Dort hatten wir im Hinspiel zunächst Probleme. Alles ist sehr eng und man darf nicht auf die Tabellensituation schauen, sondern muss jede Begegnung ernst nehmen.

Hand aufs Herz – schafft ihr den Aufstieg noch?
Auch darauf dürfen wir nicht schauen: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, jede Partie analysieren und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen – und möglichst die Begegnungen gewinnen.

Kommen wir zu dir persönlich: Nach deinem Profidebut am 22. Juli 2019 wurdest du in jedem Spiel eingesetzt – bis zu deiner Verletzung…
Für mich war es ein harter Rückschlag, weil es das erste Jahr war, in dem ich bei den Herren eingesetzt wurde. Ich habe gut gespielt, war voll drin – und dann kam der Mittelfußbruch. So etwas kann keiner voraussagen und es wirft einen zunächst schon zurück. Aber ich habe das Beste draus gemacht, körperlich zugelegt und mich zurückgekämpft. Trotz der schweren Verletzung hat es doch „nur“ drei Monate gedauert, bis ich wieder auf dem Platz stand und gezeigt habe, dass ich mein Leistungslevel wieder erreichen kann. Sogar unser neuer Coach Tomas Oral hat gemerkt, dass ich kräftiger geworden bin und mir gesagt, dass mich das weiterbringen wird.

Wer hat dir am meisten geholfen?
Vor allem war meine Familie immer für mich da, aber auch meine Freunde haben mich sehr unterstützt. Das Trainerteam, vor allem mein Athletikcoach, die Physios und die Ärzte waren auch ein wichtiger Rückhalt in dieser Zeit.

Du warst gerade wieder auf einem guten Weg zurück ins Team, als dir die Corona-Krise das zweite unverschuldete Aus in deiner jungen Profikarriere bescherte. Wie kommt man gerade als so junger Spieler damit klar?
Das war wirklich nicht einfach für mich. Ich habe mir oft vorgestellt, wie alles auch hätte ganz anders laufen können. Aber letztendlich bringt es nichts, alles negativ zu sehen. Die Karten werden nach der Pause neu gemischt – und wer Leistung bringt, wird auch spielen.

Wie gehst du im Allgemeinen mit Rückschlägen um – bist du eher ungeduldig oder überwiegt die „Jetzt-erst-recht“-Mentalität?
Ich bin auf jeden Fall sehr ungeduldig.

Ich konnte es kaum erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen. Sowohl nach der Verletzung als auch nach den Corona-bedingten Beschränkungen waren die ersten Trainingseinheiten einfach nur toll, da merkt man erst, wie einem der Fußball abgeht – und dass man ihn unbedingt wiederhaben will.

Wie bist du persönlich mit dem Lockdown umgegangen?
Ich habe mich sehr diszipliniert verhalten, habe meinen Trainingsplan zuhause abgearbeitet und mich ansonsten abgeschottet. Auch jetzt gehe ich kaum raus und versuche, Kontakte zu vermeiden, wo es nicht unbedingt erforderlich ist. Es geht schließlich nicht nur um einen selbst, sondern auch um die Gefährdung seiner Mitmenschen.

Was hat dich während der Krise am meisten belastet?
Mir fehlt vor allem der persönliche Kontakt zu Freunden und Familie, sich zu treffen, miteinander von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und Spaß zu haben.

Du trägst die Rückennummer 37 – hat sie eine Bedeutung für dich?
Nein, aber ich trage sie bereits seit drei Saisons, deshalb gefällt sie mir inzwischen. Die Traumnummer ist natürlich die 10. Um dieses Trikot tragen zu dürfen, muss man aber schon eine gewisse Verantwortung übernehmen und die entsprechende Leistung abrufen. Das dauert sicher noch ein paar Jährchen.

Gibt es einen Wunschverein, für den du gerne in der Zukunft spielen würdest?
Generell würde ich später am liebsten in der Bundesliga oder in der Premier League zum Einsatz kommen. Natürlich schaut man als kleiner Junge die deutsche Bundesliga und hat auch seine Lieblingsvereine, aber in den letzten Jahren hänge ich auch sehr am englischen Fußball. Mir gefallen der intensive Rhythmus mit vielen Spielen und Pokalbegegnungen, die Liga mit den geilen Clubs und auch die schnellere und aggressivere Spielweise sehr – dort zu spielen wäre schon ein Traum, allerdings erst in ferner Zukunft. Ich bin sehr glücklich bei den Schanzern.

Hast du ein Vorbild?
Keinen bestimmten Fußballer, aber ich schaue viele Spiele und Videos an und gucke mir dabei gerne etwas von den Profis ab. Auf die Mentalität bezogen ist am ehesten Bastian Schweinsteiger ein Vorbild, wenn man bedenkt, was er alles erreicht und welche beeindruckende Karriere er hingelegt hat.

Du bist – gemeinsam mit Gabriel Weiß – der einzige im Team, der gebürtiger Ingolstädter ist. Was bedeutet der FCI für dich?
Auch wenn ich sehr gerne an meine Zeit beim DJK Ingolstadt zurückdenke und diesen Verein nie vergessen werde, ist doch der FCI mein Wegweiser und meine Heimat und bedeutet mir sehr viel. Ich kenne den Club und die Mannschaft einfach sehr gut, weil ich schon so lange dabei bin.

Du bist jetzt 20 Jahre alt – was hättest du gemacht, wenn du den Profivertrag nicht bekommen hättest?
Einen echten Plan gab es ehrlich gesagt nicht. Ich hätte als nächsten Schritt sicher die Schule noch zwei weitere Jahre besucht – aber was dann passiert wäre, kann ich nicht sagen. Es war schon immer mein Traum, Fußballprofi zu werden, deshalb habe ich darauf meine ganze Motivation und Energie verwendet – aber es gibt durchaus auch andere Berufe, die ich cool finde.

Dein Instagram-Profil lässt vermuten, dass dir Mode, Styling und Aussehen wichtig sind – stimmt das?
Ja, darauf lege ich schon Wert – es gibt mir aber auch ein gewisses Selbstvertrauen. Es ist mir wichtig, gut gekleidet aus dem Haus zu gehen, gepflegt auszusehen und mich ordentlich zu präsentieren.

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Wie hast du deine ungewollte „Freizeit“ im Lockdown genutzt?

Ich habe mein Zimmer

komplett umgestaltet, mir eine Dartscheibe besorgt und ein altes Hobby – das Puzzlen –
wiederentdeckt. Zudem erlerne ich gerade die französische Sprache.

Wie sehr hat Salis zwischenzeitliche Schließung deine Frisur beeinträchtigt?
Ich war kurz vor dem Lockdown noch bei Sali, sodass es zunächst gar nicht so schlimm war. Doch dann wurde es immer brenzliger und ich habe Sali gefragt, ob ich mir die Haare abrasieren soll. Er meinte, dass mir das ganz gut stehen könnte. Da er mir nicht sagen konnte, wann er wieder öffnet, habe ich selbst zur Maschine gegriffen. Mit dem Ergebnis war ich sogar recht zufrieden. (lacht)

Wie oft gehst du gewöhnlich zu Sali und was lässt du machen?
Nach der Wiedereröffnung habe ich nur die Seiten etwas auffrischen lassen – mehr gab es nicht zu schneiden. Normalerweise gehe ich aber alle drei Wochen zu ihm und lasse auch hin und wieder meine Augenbrauen stylen.

Patrick, danke für das Gespräch.

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