Über Lebenslust und neue Denkmuster

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Über Lebenslust und neue Denkmuster

Am 20. November liest die Autorin und Kunstexpertin Sasa Hanten in Pfaffenhofen | Foto: Lukas Beck

Sasa Hanten ist Autorin, Rechtsanwältin, Kunst-Theoretikerin, Expertin für bildende und zeitgenössische Kunst. Am 20. November liest sie bei der Lesebühne in Pfaffenhofen aus ihrem druckfrischen Roman „Talent zum Glück“. Im Interview erzählt sie davon, wie sie als junges Mädchen zur Kunst kam, wie unterschiedlich Frauen und Männer sammeln und gibt einen kleinen Einblick in ihren neuen Roman.

Als Kind haben Sie eine Klosterschule besucht. Wie kamen Sie zur Kunst?
Mit 10 Jahren kam ich ins Internat, und in dieser Klosterschule gab es eine Ordensschwester, die ausschließlich für die Kunst zuständig war. Sie hatte einen bunt gemischten Fundus und in dem wurde gestöbert. Allerdings, gefällt mir oder gefällt mir nicht, das durfte ich nicht sagen. Es wurde debattiert. Heute würde man sagen, es wurde aus dem Fundus heraus „kuratiert“. Mit 14 war ich im Museum und habe mir eine Ausstellung angesehen. Danach habe ich dort angerufen und mir die Adresse des Künstlers geben lassen und habe dann einen Termin ausgemacht. Der Künstler hat ziemlich gestaunt, dass ein Kind vor der Tür steht. Natürlich hatte er auf einen Sammler gehofft. Ich habe ihm dann drei Monatsgehälter, in meinem Fall also 30 Mark Taschengeld, angeboten, für ein kleines Aquarell und er hat sich drauf eingelassen. Er hat mir das Bild in die Hand gedrückt und ich bin los. Ich kam wieder und wurde so eine Art Ateliermaskottchen. So hat alles angefangen. Ein Leben mit der Kunst und in der Kunst.

Sie sind vereidigte Sachverständige für zeitgenössische Kunst. Was genau machen Sie in diesem Beruf?
Ich bin für alle Fragen rund um die zeitgenössische Kunst zuständig und gleichzeitig bin ich auch Rechtsanwältin, das heißt mein Berufsleben spielt sich an besonders schönen Orten mit besonders spannenden Leuten ab. Es ist toll, sich in Sammlerdepots, in Ateliers oder auf Kunstmessen zu bewegen. Ich komme ja auch in die Häuser, in denen sich diese Sammlungen befinden. Was meinen Beruf aber wirklich besonders macht, ist dieses Leben hinter den Kulissen, denn wenn ich gerufen werde, passieren besonders dramatische Dinge. Meistens ist dann jemand tot, denn wann wird schon mal eine ganze Sammlung bewertet, wann wird das ganze Werk eines Künstlers angeschaut? Natürlich nur an wichtigen Übergängen im Leben. Manchmal handelt es sich auch nur um eine Scheidung oder um den Verkauf eines Unternehmens, aber für die Beteiligten fühlt sich das nicht weniger dramatisch an. Ich beschäftige mich gern mit diesen Dingen, denn ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung der Künstler, aber auch der Sammler. Denn die Kraft, die da drinsteckt, die Schöpferkraft bei den Künstlern und die Leidenschaft bei den Sammlern, dass ist das, was diesen Markt so spannend macht.

Wie wird denn gesammelt? Sammeln Männer anders als Frauen?
Sammler muss nicht gegendert werden, denn Sammler sind in der Regel Männer. Unternehmer, Freiberufler. Und in der Sammlung geht es darum, sich ein Denkmal zu setzen. Unternehmerische Risiken werden vorweggenommen, Mutproben werden gemacht, aber im Wesentlichen geht es um die eigene Spürnase, die unter Beweis gestellt werden soll. Dass man weiß, was die Kunst der Zukunft wird. Das will man bestimmen, man will oben auf dem Treppchen stehen. Die Sammler sagen auch immer, man habe stets zu viel Geld für die Kunst ausgegeben, über seine Verhältnisse gesammelt. Ziemlich kokett finde ich das, denn das sind ja im normalen Leben kluge Kaufleute, aber im Zusammenhang mit der Kunst ist es scheinbar angemessen zu sagen, da brennen einem die Sicherungen durch. Dieselben Männer sagen über Frauen, die einen gut gefüllten Schuhschrank haben, das sei Verschwendung und Wahnsinn. Die Frauen unterdessen tragen etwas zusammen, von dem sie glauben, dass sie es brauchen. In diesem Spektrum, zwischen Männern, die sammeln, um die Zukunft zu bestimmen, und Frauen, die sammeln, weil sie glauben, dass das später gebraucht wird, in diesem Spektrum spielt sich meine Berufstätigkeit ab.

Ihr Roman heißt „Talent zum Glück“. Das klingt, als hätten Sie ein Rezept für ein glückliches Leben gefunden. Wie ist denn Ihre Lebensphilosophie?
„Deine gute Laune nervt mich und deine Liberalität kotzt mich an“, das hat ein Studienkollege zu mir gesagt, und ich habe mich gefreut. Denn damit hat er auf seine Weise genau gesagt, was meine Lebensphilosophie ist. Nämlich, ich bin gerne übertrieben gut gelaunt. Genauso wie mein Romanheld Eby, der natürlich ich bin, in „Talent zum Glück“. Da geht es genau darum, dass man Frieden macht mit Dingen, die man nicht ändern kann und sich über alles andere wahnsinnig freut und vielleicht viele Dinge, die man nicht ändern kann, vielleicht sogar herüberzieht auf die Seite, wo man sich darüber freuen kann. Also, Glück ist nichts, was einem widerfährt, kein Schicksal, sondern mehr ein Zugang zum Leben, eine Lebensart.

Wie beschreiben Sie Ihren Roman?
„Talent zum Glück“ ist ein optimistisches Buch, das jeden etwas angeht. Mit liebendem Auge und originell-weise, wie Kinder denken, werden verpönte Gedanken (Wohin mit den Eltern? Findet das Glück mich nicht?) ausgesprochen und knifflige Themen (die Liebe des Lebens liebt nicht zurück, Abschiede) verhandelt. Das ist das Buch mit dem schönsten Inhaltsverzeichnis aller Zeiten. Und: alle Akteure haben viele Vorbilder, nur eine Person ist präzise porträtiert. Wer? Das müssen die Lesenden selbst herausfinden.

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