Ein Youngster will nach oben

Text und Bild: Sabine Kaczynski

ERC-Profi Tim Wohlgemuth kämpft mit den Panthern um die Playoffs

Er ist erst 20 Jahre alt – und schon ein absoluter Stammspieler bei den Panthern. Zur letzten Saison vom Zweitligisten und Partnerverein ESV Kaufbeuren zum ERC gewechselt, setzte sich der Youngster auf Anhieb in Ingolstadt durch und ist seitdem für das Team ein wichtiger Punktelieferant. Im letzten Jahr gab der Blondschopf zudem sein Debüt in der Nationalmannschaft. Momentan kämpft der Stürmer mit den Panthern um den Einzug in die Playoffs.

Aus den letzten drei Spielen habt ihr hervorragende acht Punkte geholt – wie fühlt sich das an?
Mehr Zähler hätten wir nicht herausholen können, denn wenn man gegen Spitzenreiter München auswärts zwei Punkte holt, fühlt sich das an wie drei. Die Woche lief top, auch wenn wir das letzte Match gegen Schwenningen nicht so dominiert haben, wie wir wollten.

Die Siege gegen Köln und Schwenningen, die in der Tabelle weit unten stehen, waren Pflicht – ist der Druck bei solchen Spielen noch größer?
Wir gehen an alle verbleibenden Begegnungen mit der gleichen Motivation heran, denn wir müssen gegen jede Mannschaft punkten, um uns einen Vorteil zu erspielen. Oft sind die vermeintlich leichteren Gegner gerade gefährlich, weil man sie schwerer einschätzen kann.

Nach 48 Spielen steht ihr wieder auf Rang 7, punktgleich mit dem 6. Tabellenplatz, der zur direkten Teilnahme an Playoffs berechtigt. Was geht noch?
Wir spielen nicht um das Heimrecht in den Pre-Playoffs, das ist uns wurscht. Wir wollen jetzt natürlich in die Top 6 und unser Ziel Playoffs erreichen. In den verbleibenden vier Spielen wollen wir am liebsten 12 Punkte holen und ein Torverhältnis kreieren, dass sich sehen lassen kann, denn das hat uns bereits einen Tabellenplatz gekostet. Ich hoffe jedenfalls, dass wir die direkten Playoffs noch schaffen, aber auch wenn es schließlich der siebte oder achte Platz wird, geht die Welt davon nicht unter.

Ihr wart zwischenzeitlich Tabellenvierter, jetzt müsst ihr um die direkten Playoffs kämpfen. Hast du eine Erklärung, wieso ihr einen Durchhänger hattet – und jetzt wieder zurückgekommen seid?
Für den Durchhänger habe ich ehrlich gesagt keine Erklärung. Am Ende zählt die Gesamtpunktzahl und es ist im Grunde wurscht, ob man die Punkte am Anfang oder am Ende gesammelt hat. Gerade gegen Straubing haben wir beispielsweise unglücklich in letzter Sekunde verloren und auch nicht schlecht gespielt – einen bestimmten Grund sehe ich daher nicht. Wir wussten aber immer, dass wir das Potenzial für Platz 6 haben und es ist uns allen bewusst, dass es in dieser Phase um sehr viel geht. Um wieder zurückzukommen, braucht es da keine extra Motivation.

Die Pre-Playoffs kann euch jedenfalls niemand mehr nehmen – ist das ein kleiner Trost?
Wenn man in Betracht zieht, dass wir uns vor der Pause die Top 4 zum Ziel gesetzt haben, wäre der Umweg über die Pre-Playoffs schon schade und enttäuschend, denn eigentlich haben wir das Zeug zu einem Top-4-Platz. Aber natürlich haben auch andere Teams wie Berlin, Bremerhaven oder Düsseldorf dieses Potenzial.

Kommen wir zu dir persönlich: Du bist vor zwei Jahren mit 18 Jahren aus Kaufbeuren in die DEL zum ERC gewechselt, sofort Stammspieler geworden und hast dich auch in der laufenden Saison durchgesetzt – hast du das so erwartet?
Damit habe ich auf keinen Fall gerechnet. Ich bin Realist und eigentlich davon ausgegangen, dass ich in der ersten DEL-Saison auf 10 und heuer vielleicht auf 25 Spiele komme. Dass es jetzt bereits über 90 sind, fühlt sich echt gut an. Für mich läuft momentan alles gut, ich profitiere aber auch von der U23-Regel und weiß, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.

Du gehörst derzeit auch zu den besten Goalgettern der Panther – hat dich das überrascht?
Ein bisschen schon, auch wenn es mein Ziel war, an die Leistungen in den Playoffs im letzten Jahr anzuknüpfen. Aber es läuft auch nicht die ganze Saison rund – um Weihnachten herum hatte ich ein ziemliches Tief. Trotzdem freue ich mich, dass mir bislang schon einige Treffer geglückt sind.

Du spielst meistens mit David Elsner und Mirko Höfflin zusammen in einer Reihe, eure Punkteausbeute ist fast identisch – seht ihr euch als Konkurrenten?
Nein, überhaupt nicht. Wir drei sind sehr gut miteinander befreundet. Natürlich gibt es insgesamt im Team einen Konkurrenzkampf, was Spielzeit und Positionen betrifft, aber uns drei betrifft das sicherlich mit am wenigsten. Wir profitieren voneinander und gönnen uns gegenseitig die Punkte. Grundsätzlich spiele ich mit jedem gerne zusammen, aber mit den beiden macht es schon besonders viel Spaß, weil wir eine deutsche Reihe bilden – das gibt es in der DEL nicht so häufig und ist richtig cool.

Zuletzt warst du auch im Kader der Deutschen Nationalmannschaft – ist die WM 2020 dein großes Ziel?
Zunächst möchte ich die laufende Spielzeit mit den Panthern so erfolgreich wie möglich abschließen und hoffe, dass die Saison noch sehr lange dauert. Natürlich wäre es schön, wenn ich dann für die Vorbereitung nominiert werden würde. Dann muss man abwarten, wie lange ich dabei bleibe und ob es zur WM reicht. Ich mache mir da aber selber keinen Druck, weil ich gar nicht weiß, ob ich überhaupt nominiert werde. Natürlich hoffe ich es, aber ich weiß auch, dass die Konkurrenz riesig ist und es momentan viele junge deutsche Spieler gibt, die die Chance verdient hätten.

Wann und wie bist du überhaupt zum Eishockey gekommen?
Meine Eltern haben mich mit drei Jahren einfach hingeschickt, damals hat es mir aber noch nicht so gut gefallen – erst mit sechs oder sieben Jahren war ich dann begeistert. Aber ich habe auch andere Sportarten ausprobiert, bis ich 13 Jahre alt war, habe ich beispielsweise auch Fußball gespielt.

Dein kleiner Bruder Liam spielt bei Kaufbeuren in der U11 Eishockey – hat er ähnliches Talent wie du?
Er ist erst zehn Jahre alt, da kommt es noch nicht aufs Talent an, das zeigt sich erst mit 13 oder 14 Jahren, wenn Konkurrenz- und Wettkampf entstehen und das Bewusstsein wächst, dass es um etwas geht. Manchmal denke ich, es fehlt ihm ein bisschen der Biss – aber ob ich den in dem Alter schon hatte, weiß ich nicht (lacht). Wichtig ist, dass er Freude daran hat, egal, ob er dann dabei bleibt oder nicht.

Welche Hobbys hast du neben dem Eis?
Ich bin oft mit Freunden in der Stadt unterwegs, außerdem lese ich gerne in meiner Freizeit oder male mit Acrylfarben.

Hast du als junger Spieler einen Eishockey-Traum für die Zukunft?
Es gibt in vielen schönen Städten Eishockey-Teams! Ein bestimmtes Land würde ich nicht wählen, aber die Stadt, in der ich vielleicht einmal spiele, sollte mir schon gefallen. Ganz unabhängig vom Eishockey mag ich in Deutschland besonders Berlin. In Bayern finde ich Nürnberg und Augsburg sehr attraktiv – aber Augsburg darf man ja nicht sagen (lacht). Aber momentan gefällt es mir ohnehin bei den Panthern extrem gut und ich habe einen laufenden Vertrag. Deshalb mache ich mir derzeit darum keine Gedanken.

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