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De Lapuente setzt sich als Bündnis-Kandidat durch
Ziemlich genau 24 Stunden nachdem Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD) in München zum Wirtschaftsreferenten gewählt wurde, lädt das Wahlbündnis aus SPD, Grüne, Linke, ÖDP und UWG in Ingolstadt zur Pressekonferenz. Zwei Kandidaten für das Amt das Oberbürgermeisters hatte das Bündnis vor einigen Wochen auserkoren: Christian de Lapuente (SPD) und Michael Mißlbeck (UWG). Aber es kann bekanntlich nur einen geben – und dieser eine ist Christian de Lapuente. Das steht seit Donnerstagvormittag fest.
Christian gegen Michael – ein Duell, das die Kandidatenkür im laufenden OB-Wahlkampf bestimmt. Während sich dieses Duell in der CSU erst noch zwischen Christian Lösel und Michael Kern entscheiden muss, ist es im Wahlbündnis aus SPD, Grüne, Linke, ÖDP und UWG nun passiert. Christian de Lapuente setzt sich gegen Michael Mißlbeck durch und tritt für das Wahlbündnis offiziell als OB-Kandidat an.
„Meine Unterstützung hat er“
Die große Überraschung blieb damit aus. Denn man muss kein großer Politikkenner sein, um zu wissen: De Lapuente hatte die Nase bei dieser Bündniswahl von Beginn an klar vorn. Auch wenn Raimund Köstler (ÖDP) und Eva Bulling-Schröter (Linke) meinten, ihre Wahl sei nur knapp auf den SPD-Mann gefallen.
Lob für den neuen Kandidaten gab es vom noch amtierenden Oberbürgermeister Christian Scharpf. Ohne de Lapuente als Parteivorsitzenden hätte er die Wahl im Jahr 2020 nicht gewonnen, sagt er. De Lapuente hätte „den Laden zusammengehalten“. Er sei in der Stadtgesellschaft präsent wie kein anderer, „weiß wo der Schuh drückt“, „kniet sich rein“ und verliere dabei trotzdem nie den Humor. Ausschlaggebend sei aber neben der „Stärke des eigenen Lagers“ auch „die Schwäche des Gegners“ gewesen, so Scharpf. Und: De Lapuente kenne als Geschäftsführer einer Gastro-GmbH und durch seine Funktion in der Gewerkschaft sowohl die Seite der Arbeitgeber als auch die der Arbeitnehmer. „Meine Unterstützung hat er“, stellt Scharpf am Ende wenig überraschend fest.
„Ich bin bereit und will anpacken“
Dann trat de Lapuente ans Mikrofon. Er umreißt kurz, wie er Ingolstadt sieht: Eine Stadt der Tradition und Innovation, eine liebenswerte Stadt, eine Stadt, in der ein selbstwusstes und positives Lebensgefühl herrsche. Vom Pestallozi-Schüler zum Industriemechaniker, Vereinsvorsitzenden, Stadtrat und Geschäftsführer; auch das merkt er an. Soll heißen: ich bin ein echter Schanzer. Scharpf sah sich in seinem Wahlkampf (und weit darüber hinaus) immer wieder mit dem Vorwurf des „Imports aus München“ konfrontiert. „Ich bin bereit und will anpacken“, sagt de Lapuente und spricht dabei die kommenden Herausforderungen der Stadt an, wie etwa die Transformation in der Automobilbranche. Er blickt aber auch zurück und hält fest, dass „die Machtpolitik abgewählt“ worden sei und er weiterhin für eine „Stadtpolitik des Miteinanders“ stehen wolle.
Zum Ende skizziert er wohl den ersten Einblick in das bevorstehende Programm des Wahlbündnisses: Bezahlbarer Wohnraum, Familien, Kultur, Senioren, Wirtschaft sind die zentralen Themen. Kein Platz in Ingolstadt sei für eine „menschenverachtende Politik und Hetze“.
Mißlbeck als neuer Wahlkampfleiter
Der unterlegene Gegenkandidat Michael Mißlbeck ist der neue Wahlkampfleiter des Bündnisses. Er freut sich insbesondere darüber, dass er auch aus politischen Lagern, wo er es nicht erwartet hätte, „positives Feedback“ bekam. Als Unternehmer hat er das Gefühl, dass sich mit dem Wahlbündnis durchaus auch eine „wertkonservative Wählerschicht“ ansprechen lasse. Ein Satz, den Eva Bulling-Schröter (Linke) später einordnen wollte. Den Begriff „wertkonservativ“ finde sie nämlich sehr gut, sagte die Vertreterin einer sonst eher progressiveren Parteipolitik etwas überraschend. Solidarität und Zusammenhalt seien etwa die positiven Eigenschaften des Konservatismus, erläutert sie. Oder auf die Kommunalpolitik heruntergebrochen: die Erhaltung des Grünrings.
„Kein Rückfall in schwarze Zeiten“
Joachim Siebler (Grüne) sieht im Wahlbündnis – es schloss sich ja schon einmal zur OB-Stichwahl 2020 zusammen – ein Modell, dass über die ganze bisherige Periode gehalten habe. Der „Zusammenhalt“ war ohnehin ein zentraler Punkt in fast allen Reden. So will man sich offenbar bestmöglich von der CSU abgrenzen. Auch wenn weder Partei noch einzelne Namen genannt wurden, die Seitenhiebe waren deutlich. Raimund Köstler (ÖDP) sagte etwa, Oberbürgermeister Scharpf (SPD) habe „nicht versucht Parteien gegenseitig auszuspielen“, um „eigene Interessen“ durchzusetzen. Man wolle „keinen Rückschritt im doppelten Sinne in die schwarze Zeit“, so Martin Köster (UWG). Die „aggressive Stimmung“ sei beendet, „Harmonie und Produktivität“ sollen im Stadtrat weitergehen, so Köster weiter. Karoline Schwärzli-Bühler (SPD) sieht seit Amtsantritt von Scharpf einen „Klimawandel“ in der Stadt.
„Ingolstadt wird in guten Händen bleiben“
„Der Linken kann es nicht egal sein, wer Oberbürgermeister wird“, sagt Eva Bulling-Schröter. Zwar hätte man auch einen eigenen Christian (Ex-Stadtrat Christian Pauling, Anm.), dieser habe aber gesagt, dass „auch seine Zeit irgendwann kommt“. Offensichtlich eine spannende Personalie für die Zukunft, auch wenn ein OB der Linken – zumindest in Ingolstadt – doch eher unwahrscheinlich sein dürfte. Wichtig ist es für Bulling-Schröter, die „Rechtsentwicklung“ zu stoppen. Dieser Punkt und die ein oder andere kommunalpolitische Entscheidung sicherten de Lapuente die Unterstützung der Linken. Den Vorwurf, dass ein Wahlbündnis undemokratisch sei, kann sie nicht nachvollziehen. Schließlich sei das ein demokratischer Akt.
Schlusswort Oberbürgermeister Scharpf: „Ingolstadt wird in guten Händen bleiben.“ Die OB-Wahl wird voraussichtlich am 09. Februar 2025 stattfinden. Scharpf bleibt bis Ende Februar im Amt.

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