It’s all about the birds​

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Skizzen eines Säbelschnäblers für die neuen Euronoten | Fotos: Florian Hammerich

espresso verlost 2 Plätze für einen Online-Workshop mit Gisela Goppel

Rund 31,5 Milliarden Euro-Banknoten sind aktuell im Umlauf. Seien wir ehrlich: Seit der Einführung haben wir uns an der Optik längst sattgesehen. Da kommt es ganz gelegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen Wettbewerb ins Leben gerufen hat, um den Scheinen ein moderneres Aussehen zu verleihen. Zehn Designs standen bis 21. September zur Wahl. Eines davon, Variante H, stammt vom Regensburger Künstlerpaar Gisela Goppel und Florian Topernpong.

Wie man Vögel zeichnet, erklärt Gisela Goppel bald in einem Online-Workshop des MKK Ingolstadt. Wir haben uns vorab mit ihr über ihre Geldschein-Entwürfe unterhalten, denn da dreht sich ebenfalls (fast) alles um unsere gefiederten Freunde.

Möglicherweise reisen ihre Geldscheine bald durch ganz Europa. Bislang dürfte Gisela Goppel einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt gewesen sein, doch ihre Arbeiten könnten einem durchaus schon begegnet sein – im Buchladen beispielsweise. Gisela Goppel gestaltet u. a. Buchcover, etwa für den Insel Verlag (Unsere Jahre auf Fellowship Point), dtv (Im Dorf der Schmetterlinge) oder KiWi (Hotel Shanghai). Außerdem illustriert sie eine monatliche Kolumne in der FAZ. „Einer der größten Aufträge der letzten Jahre war für dm“, sagt Goppel. Für die Drogeriekette gestaltete sie im Sommer 2024 die Glasfassaden im ganzen Land. Hinzu kommen Arbeiten für das Who‘s Who der Zeitschriftenlandschaft: Spiegel, Brigitte, Elle, Glamour und Focus.

Arbeiten am Entwurf des Eisvogelweibchens für den 10-Euro-Schein

Zwei Themen gab die EZB den europäischen Designern vor: „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“. Goppel und Topernpong reichten Entwürfe für beide ein, mit „Flüsse und Vögel“ schafften sie es in die Endrunde. „Damit sind wir ganz happy, weil das natürlich eine Thematik ist, die uns sehr entspricht und wir das Gefühl haben, dass auch die Leute angesprochen sind.“ Tatsächlich ist es so, dass die Vögel fast die komplette Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Folgt man den Social-Media-Reaktionen, scheint es nur schwer vorstellbar, dass bei der Online-Umfrage der EZB die Wahl auf „Kultur“ fallen könnte. Diese Designs zeigen u.a. Maria Callas, Ludwig van Beethoven und Marie Curie. Keine Chance gegen Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Weißstorch, Säbelschnäbler und Basstölpel – möchte man zumindest meinen.

Vögel und das sogenannte Birdwatching sind längst zum Social-Media-Trend mutiert. Damit trifft die EZB den Zeitgeist. Aber welches Verhältnis hat Gisela Goppel zu den Federfreunden? „Mein Vater ist Biologe“, sagt sie. Die Themen Natur, Naturschutz und Vögel begleiteten sie schon als Heranwachsende. „Bei Urlaubsreisen in Europa sind wir oft in besondere Naturräume gefahren, wo es auch Vögel zu beobachten gab. Das war dann der Säbelschnäbler im Wattenmeer oder Flamingos in Frankreich.“ Auch an eine Schlucht in Spanien mit einer sehr großen Geierkolonie erinnert sie sich. „Das war schon etwas, was mir nahe liegt und was meine Liebe zur Natur geprägt hat.“

Doch trotz guter Startbedingungen stand vor dem ersten Strich viel Recherchearbeit an. „Wir haben viele Vorgaben von der EZB gekriegt, sind aber trotzdem nochmal sehr tief eingestiegen“, erklärt sie. Die Idee war, ein tiefes Verständnis für jeden der zu zeichnenden Vögel zu entwickeln – mit dem Ziel, jede Vogelart in ihrer Besonderheit darzustellen. „Die Bienenfresser haben wir zusammen auf einem Ast gezeigt, weil sie in Brutkolonien leben und auch recht sozial sind.“ Der Eisvogel sitzt hingegen eher alleine auf einem kleinen Ast, so ist er auch auf dem 10-Euro-Schein zu sehen. Da der Storch weite Strecken zurücklegt, habe man ihn im Flug gezeichnet. Nachdem sie sich über die passenden Silhouetten herangetastet hatte, ging es schließlich in die Ausarbeitung. Erst mit Aquarell, dann weiter in digitaler Form. „Auf jedem Schein ist eine Etappe des Flusses dargestellt“, erklärt Goppel zu den Entwürfen. Von der Quelle im Gebirge über mehrere Stationen bis zum Meer. „Zu diesen jeweiligen Lebensräumen wurden Vögel gesucht, die darin leben.“

Wie können Vögel die Europäische Idee symbolisieren? „Vögel fliegen über Grenzen hinweg und haben dadurch etwas sehr Verbindendes. Vögel haben keine Nationalität und sind überall beheimatet, das ist natürlich eine starke Metapher für ein geeintes Europa“, erklärt sie. „Viele Leute verbinden damit auch etwas sehr Positives: Freiheit, Grenzenlosigkeit. Wir fanden in unserer Arbeit auch die Einzigartigkeit der jeweiligen Vögel eine schöne Metapher für die Vielfalt der Kulturen, die Europa so besonders machen.“ Beim Fokus auf die Vögel vergisst man fast, dass die Scheine auch noch eine Rückseite haben. Darauf zu sehen sind Gebäude wie das EU-Parlament, der Europäische Gerichtshof und die EZB. Fast ein bisschen schade, dass die Gebäude gar keine so große Beachtung finden, oder? „Ich denke, das ist ganz natürlich, dass erst das Lebendige, der Vogel, den Fokus auf sich zieht – weil es eben etwas Emotionales ist.“

Florian Topernpong

Einen Favoriten unter den eigenen Entwürfen haben weder Goppel noch Topernpong. Man habe versucht, in jeden Schein so viel Arbeit zu investieren, dass am Ende jeder davon ein Lieblingsschein sei. Aus den Rückmeldungen schlussfolgern sie aber, dass der Eisvogel in der Bevölkerung wohl besonders gut ankommt. „Vielleicht, weil es ein heimischer Vogel ist – oder grundsätzlich ein beliebter Vogel.“

Im Wettbewerb standen auch Entwürfe im Hochformat zur Wahl. Haben die beiden Regensburger ebenfalls damit experimentiert? „Das stand nicht so wirklich zur Debatte“, sagt Goppel. Man habe sich recht schnell für das Querformat entschieden, und zwar „aus dem Gedanken heraus, dass es in Europa keine Tradition für Scheine im Hochformat gibt. Es wäre eine große Umgewöhnung für sehr viele Menschen. Wir haben nicht wirklich einen Grund gefunden, der die Änderung begründen würde. Es ist natürlich ästhetisch ganz reizvoll im Hochformat, aber uns war die Funktionalität wichtiger.“

Was ist das für ein Gefühl, wenn sie daran denkt, dass bald hunderte Millionen Menschen mit ihren Scheinen durch Europa laufen könnten? So ganz will Goppel nicht mit diesem Gedanken spielen. „Wir sind jetzt schon sehr geehrt, dass wir unter den zehn Finalisten sind, bei so vielen anderen tollen Entwürfen. Das ist ja schon ein ganz tolles Gefühl“, sagt sie. „Für uns ist es eher so, dass wir diese Scheine alle so gut gemacht haben, wie wir sie machen konnten. Sie sind jetzt raus in die Welt gestartet. Der Schein muss jetzt seinen eigenen Weg gehen.“

Flattern ihre Vögel bald durch Europa? Die Entscheidung der EZB fällt voraussichtlich Ende des Jahres.

GEWINNSPIEL

20.10. 18 – 20 Uhr
DIYnstag – Online-Workshop mit Gisela Goppel „Tierzeichnungen: Vögel“

Anhand von Vögeln erhalten die Teilnehmenden dieses Workshops einen schönen Einstieg ins Zeichnen von Tieren. Dabei wird gezeigt, wie man sich über einfache Grundformen annähern kann. Das hilft sowohl beim Zeichnen aus der Vorstellung als auch beim Arbeiten nach Vorlagen oder Naturbeobachtungen. Vögel eignen sich dafür gut, weil ihre Körperformen meist recht kompakt sind und es trotzdem auch eine große Vielfalt an Arten gibt. Der Workshop richtet sich sowohl an Anfänger*innen als auch an kreativ arbeitende Menschen, die ihre gestalterischen Möglichkeiten erweitern möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

HINWEIS: Die Teilnehmenden bekommen per Post das notwendige Workshopmaterial zugeschickt und erhalten einen Link zum Onlineworkshop.

Wir verlosen 2 Plätze für den Online-Workshop mit Gisela Goppel beim DIYnstag des MKK Ingolstadt. Teilnahmeschluss ist bereits am 11.10.26. Zur Teilnahme schickt eine Mail mit Stichwort VÖGEL an win@espresso-magazin.de. Rechtsweg ausgeschlossen.

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