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"Es sind die verborgenen Schätze, die uns am Herzen liegen"
Es gibt Dinge, die uns sofort zurück in eine andere Zeit versetzen. Bücher tragen dabei eine ganz eigene Form von Nostalgie in sich. Sie sind mehr als bedrucktes Papier, sie sind kleine Zeitmaschinen. Wer ein Buch aus Kindertagen aufschlägt, spürt sofort wieder die Aufregung jener ersten Leseabenteuer. Manche Geschichten haben uns durch die Jugend begleitet, manche Bücher lagen mit uns am Strand und wurden bleich (während wir braun wurden), wieder andere waren treue Begleiter durch schwere Zeiten. Jedes Buch, das wir einmal gelesen haben, trägt ein Stück unserer eigenen Geschichte in sich.
In einer Welt, die immer schneller wird, sind Bücher vielleicht gerade deshalb so besonders: Sie entschleunigen, schenken uns Ruhe. Heute sind wir zu Gast in der Buchhandlung Stiebert in Ingolstadt. Ein Ort, an dem die Erinnerungen der Zukunft geboren werden.
Wer sich ein bisschen für den Literaturbetrieb interessiert, kommt am Wörtchen „BookTok“ nicht vorbei. Wahrscheinlich der wichtigste Trend in der derzeitigen Literaturlandschaft. Seit April 2023 wird monatlich die offizielle #BookTok-Bestsellerliste veröffentlicht. Sie besteht aus den 20 erfolgreichsten Buchtiteln auf TikTok. Überhaupt spielt Social Media bei jungen Lesern eine wichtige Rolle. Ein Drittel von ihnen wird darüber auf Neuerscheinungen aufmerksam. Sehr erfreulich für den deutschen Buchhandel: Die Lesebegeisterung gerade junger Menschen sorgt weiterhin für eine hohe Nachfrage nach Büchern. Die Jugend von heute… weiß ein gutes Buch eben immer noch zu schätzen. Trotz Smartphone-Ära.
Aber bestimmt BookTok den ganzen Markt? Mitnichten. In der Buchhandlung Stiebert spielt der Trend eigentlich keine Rolle, erklärt Inhaberin Margit Heindl. „Da müsste ein Titel schon riesig angekündigt sein, wie etwa aktuell von Rebecca Yarros.“ Ihr Roman Fourth Wing – Flammengeküsst steht im Juli auf Platz 1 der BookTok-Charts. Ein enormer Hype. Das merkt dann auch die Ingolstädter Buchhändlerin. Ihr Kundenkreis ist aber eher nicht auf TikTok unterwegs. „Unsere Kunden legen sehr viel wert auf gute Literatur. Sie schätzen unsere persönliche Auswahl im Laden und lassen sich gerne davon inspirieren“, erklärt Heindl. Oft sind das eben gerade nicht die Spiegel-Bestseller, die ohnehin stapelweise im ganzen Land herumliegen.
Mit der begrenzten Verkaufsfläche einer kleinen Buchhandlung muss man umzugehen wissen. „Wir wälzen zweimal im Jahr über 300 Kataloge. Natürlich berücksichtigt man berühmte Autoren und ihre Neuerscheinungen, aber auch bei einer interessanten Beschreibung nehmen wir den Titel gerne auf. Wir fragen uns immer: Was passt zu unserem Kundenkreis? Was passt in den Laden? Natürlich braucht man auch die Bestseller, aber es sind die verborgenen Schätze, die uns am Herzen liegen.“ Auch die Buchpreise (vom Deutschen Buchpreis bis zum Literaturnobelpreis) und die Ingolstädter Literaturtage spielen bei der Auswahl eine Rolle.
Ein anderer digitaler Trend, die eBooks, denen man mal nachgesagt hat, der Tod gedruckter Bücher zu werden, scheint hingegen abzuflachen. „Vor ein paar Jahren meinte man noch, es verlagere sich alles auf das eBook. Sie werden zwar nach wie vor gekauft, aber ich glaube, der große Run ist vorbei – zumindest bei uns, aber auch bei anderen Kollegen mit kleinen Buchhandlungen. Viele Kunden bevorzugen weiterhin haptische Bücher.“ Für ältere Leser seien eReader manchmal von Vorteil, weil man dort die Schriftgröße ändern könne.
» Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern «
- André Malraux
Obwohl sich bei jungen Lesern eine wiedergefundene Begeisterung für das Lesen ausmachen lässt (Heindl: „Das macht mir Hoffnung.“), insgesamt steckt der deutsche Buchhandel trotz steigender Umsätze (diese sind nämlich nicht durch höheren Absatz, sondern durch höhere Preise zustande gekommen) in der Krise. Jedes Jahr schließen in Deutschland 100 Buchläden, also etwa 2 pro Woche. Lässt das Margit Heindl besorgt in die Zukunft blicken? „Es gibt immer Auf und Abs. Zurzeit merkt man die allgemeine Zurückhaltung der Kunden aber schon, weil niemand so recht weiß, wo es wirtschaftlich hingeht.“ Auch die öffentlichen Bücherschränke seien „obwohl für die Menschen eine tolle Einrichtung, für den Buchhandel eher weniger gut“. Und älteren Kunden fehle oft der Platz für weitere Bücher. „Im Großen und Ganzen merkt man aber, dass wieder viel mehr junge Leute kommen und Wert auf das Buch legen. Also ganz negativ sehe ich die Lage nicht, aber es ist momentan auch nicht ganz einfach.“ Mit zwei Lehrlingen hat die Buchhändlerin aktuell selbst eine sehr junge Truppe im Laden.
» Ein Buch ist für mich eine Art Schaufel, mit der ich mich umgrabe «
- Martin Walser
Kleine Buchhandlungen sind unverzichtbar. Sie verleihen einer Stadt Charakter, schaffen Nähe zwischen Menschen und Geschichten. Bücher fördern Empathie, sie diskutieren die Probleme unserer Zeit. Sie füllen die leeren Seiten in unserem Inneren. Mit ihrem persönlichen Service und sorgfältig ausgewähltem Sortiment bewahren kleine Buchhandlungen dabei die Vielfalt. „Kleine Buchhandlungen sind das Herz einer Stadt“, findet auch Heindl. „Wir wählen mit viel Liebe aus. Es gibt hier einfach nochmal eine andere Auswahl, eine andere Richtung. Bei uns kriegt man zum Beispiel auch die ganzen regionalen Autoren. Die regionale Verbundenheit ist uns sehr wichtig.“
In einem Wirtschaftssystem, in dem die Großen gerne die Kleinen schlucken, haben kleine Buchhandlungen einen treuen Gefährten an ihrer Seite: die Buchpreisbindung. Diese verhindert, dass große Buchhandelsketten mit großen Bestellmengen den Preis drücken können – und damit über lange Sicht die Kleinen aus dem Wettbewerb drängen. Die Buchpreisbindung dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Sie sichert, dass ein breites Buchangebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich bleibt, indem es die Existenz einer großen Zahl von Buchhandlungen fördert. Also Orte der Kulturvermittlung, der Leseförderung und des gesellschaftlichen Austauschs.
Seit 1985 gibt es die Buchhandlung Stiebert in Ingolstadt. Vor 22 Jahren begann Margit Heindl dort zu arbeiten, vor 4 Jahren übernahm sie den Laden vom Gründer und Namensgeber. Sie selbst liest „querbeet“, selten aber zwei Bücher nebeneinander. Und sie braucht – Vielleser kennen es sicherlich – etwas Abstand, bis sie nach einem abgeschlossenen Buch ein neues beginnen kann. Ein Lieblingsbuch hat sie nicht, einen Lieblingsschriftsteller schon eher: Alex Capus. Ein Verkaufsklassiker in ihrer Buchhandlung (wie auch in sehr vielen anderen) ist übrigens ein eher trockener Stoff: das BGB. Martin Suter und Axel Hacke sind ebenfalls Dauerbrenner – und sicherlich etwas unterhaltsamer.

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